Die Vermessung der Welt und die Vermessung Sachsens


Insbesondere diejenigen, die mit ihrem Auto Strecken in unbekanntes Terrain absolvieren müssen, kommen dank ihres Navis, oder besser gesagt des GPS, sowohl am Wunschort als auch zu Hause (meist) wieder an. Dieses System, das einst in den 70ern vom amerikanischen Verteidigungsministerium ersonnen, realisiert und betrieben wurde, um Positionen – damals vornehmlich von Gebäuden – genauestens bestimmen zu können. Bevor es jedoch transportable und eingebaute Navis gab, orientierte sich der Autofahrer per Landkarte. Der „gelernte Ostler älterer Generation“ kann und praktiziert das heute noch, schreibt sogar ein Roadbook, wann er wo wie abbiegen muss. Doch wer weiß eigentlich, dass sowohl die Grundlagen dieser Atlanten als auch des heutigen GPS eigentlich schon 155 Jahre alt sind, zumindest in Sachsen.

GPS könnte auch Großenhainer Positionierungs-System heißen. Denn im Jahre 1860 beginnt der preußische General Beyer mit der Mitteleuropäischen Gradmessung, der Grundlage später erstellter genauer „Abbildung der Lande auf Karten“. Diesem Projekt tritt am 28. Mai 1862 auch das Königreich Sachsen bei. Als definierte Vermessungsbasis diente die 8,9 km lange Großenhainer Grundlinie, die per Besselschen Basisapparats (ein Streckenmessapparat auf zwei Stelzen mit vier Metern Länge, der über Wochen aneinandergelegt wurde und zur Sicherheit mit Hin- und Rückmessung erfolgte – mit nur 7,9 Millimeter Abweichung) ermittelt wurde. Dass ausgerechnet diese Gegend (genau gesagt der Abstand zwischen den Orten Raschütz nach Quersa) ausgewählt wurde, lag unter anderem an der zentralen Lage innerhalb des Vorhabens als auch an der dort vorhandenen längsten ebenen Ausdehnung zwischen zwei Orten. Mittels Winkelgleichungen, Sinusfunktionen und ermittelten Kreisschnittpunkten ergab sich abschließend ein Netz von zig über das damalige Königreich gespannten / vermessenen Dreiecken. Das sächsische Triangulationsnetz umfasste am Ende 158 Messpunkte. Meist wurden dazu Erhebungen ausgewählt, an denen Triangularsäulen, ein Trigonometrischer Punkt (TP) mit fortlaufender Nummer, errichtet wurde. 1890 war die Königlich-Sächsische Triangulation abgeschlossen und zugleich eines der fortschrittlichsten Kartennetze Europas. Kaum anderswo gab und gibt es eine derart genaue Entfernungsvermessung und Festlegung von Landschaftspunkten zueinander wie in Sachsen. Zahlreiche ab 1862 errichtete Vermessungssäulen gelten heute als technische Denkmale. In guten topografischen Karten sind diese TP noch heute als kleine Dreiecke dargestellt.

Zwickau und Planitz selbst besitzen keine derartige Markierung. Beide sind jedoch mit insgesamt sechs trigonometrischen Punkten „gut vernetzt“. Ein ebenerdiger Granitstein befindet sich in Reinsdorf rechter Hand auf dem Kamm des Bergweges Richtung Pöhlau (Nr. 126). Weitere auf dem A72-Rastplatz Waldkirchen (Nr. 139, Marienhöhe, 498m), im Hartmannsdorfer Forst  (Nr. 136, Hirschenstein, 611m), zwischen Brunn und Friesen auf Höhe Cunsdorf (Nr. 138, 469,7m), im Dänkritzer Wald am Teich vor der Dänkritzer Schmiede (Nr. 125, Hospitalberg, 56m). Der (bei abgeerntetem Feld) sichtbarste steht auf der Flur Ebersbrunn hinter dem Landschulheim, stammt aus dem Jahr 1878, trägt die Vermessungsnummer 137 und ist mit den Koordinaten N50.646312° und E12.449434° ausgemessen.

Diese Daten dienen als Geodätische Referenzpunkte und können zum Beispiel zum „Einnorden“ oder zur Kontrolle des Handys genutzt werden. Vor einem Wochenend-GPS-Kontroll-Ausflug sind lediglich die genauen TP-Daten aus dem Internet zu ziehen (www.historic.place/themes/Königlich-Sächsische_Triangulation) und dann vor Ort mit den Messwerten einer entsprechenden App zu vergleichen.


uhe

Triangulierungssäule Ebersbrunn - 3
GeodätReferzPunkt - Paradiesbrücke - 1
lupe

Bild anklicken zum vergrößern

Bild 1: Der Trigonometrische Punkt in Ebersbrunn


Bild 2: Der neue Referenzpunkt in der Nähe der Paradiesbrücke

© 2005 - 2017 spatz werbung und MMP Zwickau