Ich bin e Planitzer Gung


Am Stolleplatz offgewachsen;

durch de Enggass geloofen

und vorher noch schnell beim Feustel

e neues Spielzeug koofen.

In de Innere Zwickauer Straß

zur Oma gegangen

geguckt und gelacht

und of dr Wies dorvor Schmetterlinge gefangen.

Manchmal ham mich de Eltern

zur Meiern geschickt

um Sauerkraut zu hol‘n

was war das für en Glück.

Denn de gruße Papptüt

die hatte unten e Loch

da ließ sich reinpiepeln

und rauszudeln ooch.


Ich bin e Planitzer Gung

werd’s auch immer bleim

mag is Leben mich auch

in de Welt naus treibm

Ich bin e Planitzer Gung

mit en Planitzer Herz

und läuten de Glocken dr Schloßkirch

zieht’s mich immer hemwärts.


Beim Rosenbaum gab’s alles

was is Herz nur so begehrt

da war auch unnere Ostmark

noch ne Menge wert.

Kerzen und Seife

und Feuerwerkskram

und Orwo-Filme

die ich immer mitnahm.

Am Geleitsteich entlang

hin zum Planitzer Bad

was de scheenste und größte

Wasserfläch‘ gehabt hat.

Und weiter züm Kreuzberg

und züm Steinbruch hinauf.

„Aber immer scheen sachte“

saat mei Pap, „pass fei auf.“


Ich bin e Planitzer Gung…



Am Schloßberg, bei dr Libelle

da hatt ich mei Lager gebaut

of n Steilhang, in ner Dornenhecke

da hat sich keen anderer sonst hingetraut.

Im Capitol für zwanzig Pfeng

danach e russisches Märchen geseh’n.

Wenn ich daran denk‘ muss ich schon sag’n

mei Kindheit war fei scheen.

Vom Friedhof aus

ging’s zur Alexanderhöh‘

vom Lichtelfest

zum Rodeln im Schnee.

Im Winter und im Sommer

wenn de Wolken vorüberziehn.

Planitz is mei Haamit

da ziehts mich immer hin.


Ich bin e Planitzer Gung…


Und dann stand de Oma

beim Meinholdt-Fleischer an

und ich hab mich gefragt

wann sin mer endlich mal dran

um Wellfleisch zu holen

mit Majoran

wie einfaches Essen

so lecker sein kann.

Beim Weiß dann drnehm

gab’s de Karpen ganz frisch

und Obst und Gemüse

lagen dort of en Tisch.

Und ze Weihnachten

so scheen wie e Traum

gab’s beim Fuchs, nehm dan Laubert

en scheensten Christbaum.


Ich bin e Planitzer Gung…


Am Sonntag, für ne Mark,

das war der Preis,

ging’s nüber zum Stern

und zum Moskauer Eis.

Und dann en Schulberg nauf,

gar net weit entfernt

hab‘ ich in der Bielschul



is Leben su e richtig gelernt

und alles das

was ich sag‘ und bin

gar manniches Jahr

floss seitdem dahin

Heut‘ is es mei Gung

der of’n Schloß oben lernt

und beede sin gar nich weit

voneinander entfernt.


Ich bin e Planitzer Gung…


Drnem da bin ich

in de Junge Gemeinde gegange

und so hat’s damals

mit mein Glaube anfange

Dr Gung von damals

ist heite gruss

de Haamit in Herzen

lässt mich nimmer lus.

Durch’n Planitzer Park

und am Teehaus vorbei

durch’s Herbstlaub ruscheln

wie schön ka das sei.

Mit nem Lachen im Herzen

des blebt immer jung

werd‘ ich sein all mei Tage

fei e Planitzer Gung.


Ich bin e Planitzer Gung…


© Jens Breitfeld, 26.11.2017

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