Nochmal: Steinkohlenabbau historisch


Aus der Zeit, in der die Schriftsätze vorm Druck aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt werden mussten, gibt es eine hübsche Geschichte. Ein ehrgeiziger Mann wollte unbedingt ein Buch ohne Druckfehler. Er ließ immer wieder Korrektur lesen, bis auch der allerletzte Buchstabe am richtigen Platz stand. Dann druckte man groß auf die erste Seite: „Dieses Buch hat keinen Druckfehler!“ Als es der Mann dann das erste Mal in der Hand hielt, erbleichte er, denn  da stand: „Dieses Buch hat keinen Dreckfuhler!“

Dieses Histörchen tröstet alle, denen trotz sorgfältigster Arbeit doch ein Fehler unterlaufen ist.

Und das geht mir jetzt auch so. Ich muss mich korrigieren, zwar nur in einer Kleinigkeit, aber die wissenschaftliche Korrektheit verlangt es. Im Juni-Heft erinnerte ich an die 825 Jahre, die seit der ersten Erwähnung von Planitz in einem amtlichen Dokument vergangen sind. Dieses Dokument, einen Streit zwischen dem Abt des Kloster Bosau bei Zeitz und Ludwig von Planitz betreffend, wurde von Kaiser Heinrich VI. am 5. Dezember 1192 nicht in Altenburg, sondern in Merseburg ausgefertigt. Zwar hat sich dieser Kaiser auch mehrfach in Altenburg aufgehalten, aber an dem Tag, auf den es uns ankommt, war er eben in Merseburg.

Und weil ich gerade beim Zurechtrücken bin, will ich dabei bleiben.

Vor einigen Tagen brachte eine weit verbreitete Zeitung einen Beitrag über Planitz, die Entstehung des Ortsnamens und  Besonderheiten unserer Ortsgeschichte betreffend. Dort berief man sich auf mich. Dabei kam es zu missverständlichen Formulierungen.

Deshalb nehmen wir uns  – um ein neudeutsches Modewort zu gebrauchen – das wichtigste Alleinstellungsmerkmal unserer Ortsgeschichte noch einmal vor: den frühesten Steinkohlenabbau in Deutschland. Es stimmt,  wir können behaupten, dass auf jener  Planitzer Flur, die sich zur Mulde hin absenkt, schon Steinkohle abgebaut wurde, lange bevor es wo anders der Fall war.

Wir wissen das, weil das Zwickauer Stadtrechtsbuch von 1348 eine wichtige Information enthält. Es wurde den Schmieden verboten, innerhalb der Stadtmauern mit Steinkohle zu arbeiten. „...nichte sullen smiden mit steinkoln“, heißt es dort.  Das ist die erste  amtliche Erwähnung der Planitzer Steinkohlen. Deshalb wird diese Mitteilung auch manchmal wie eine Art Geburtsurkunde des Kohleabbaus aufgefasst. Aber das ist falsch, denn wenn etwas verboten wird, muss es vorher bekannt gewesen sein. In unserem Fall haben Generationen von Schmieden den Vorteil der Steinkohle, ihren hohen Heizwert, erfahren und erprobt, ehe der Rat aus Sorge um die Feuergefahr und giftige Dämpfe das Verbot erließ, das allerdings später wieder aufgehoben wurde.

Also können wir vom Verbotsjahr 1348 getrost 100 oder mehr Jahre zurückrechnen, um auf den Beginn des Abbaus zu kommen. Und das ist eben eher als anderswo.

An dieser Stelle soll noch ein anderer weit verbreiteter  Irrtum korrigiert werden, der aber mit dem oben genannten Zeitungsartikel nichts zu tun hat.

Gern erzählt man eine  rührende Geschichte, wie die Kohle entdeckt worden sei.  Ein frierendes Hirtenbüblein habe als Erster gemerkt, dass die bei seinem Feuerchen  als Windschutz aufgestellten schwarzen Steine brennen und wunderbare Wärme abgeben. Das ist schönes Märchen. Auch wenn es überall erzählt wird, wo Steinkohle gefunden wurde.

Bei uns war es ein Sandsteinbruch, aus dem man auch für die Marienkirche in Zwickau und die Wolfgangskirche in Schneeberg Baumaterial gewann, in dem man  dem schwarzen Gold auf die Spur kam. Über Jahrhunderte wurde das neue Heizmaterial ausschließlich von Handwerkern genützt. Für  die Herdfeuer in den Bauernhäuschen war die Steinkohle völlig ungeeignet.

In der Gegend, in der der früheste Kohleabbau erfolgte, hat  heute eine Glaubensgemeinschaft in einem ehemaligen Teppichhaus Unterkunft gesucht.

Wer aber  mit eigenen Augen sehen möchte, wie die Kohle zutage tritt, kann an der Mulde von der Cainsdorfer Brücke aus  flussaufwärts beobachten, wie sich das Wasser durch das Kohleflöz frisst. Er sieht dann eine geologische Sehenswürdigkeit von hohen Graden, aber nur wenn der Fluss nicht viel Wasser führt.


Dr. Günter Zorn

Luftbild Hammerwald
lupe

Bild anklicken zum vergrößern

© 2005 - 2017 spatz werbung und MMP Zwickau