Planitzer Markt – gestern, heute und morgen (?)


Hindenburgplatz, Ernst-Thälmann-Platz oder wie er seit 1990 einfach heißt: Planitzer Markt – das Zentrum von Oberplanitz hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Mit dem Beginn des industriellen Zeitalters und dem Kohlebergbau stieg die Bevölkerungszahl rasant. Waren es 1826 lediglich knapp 1.000 Einwohner stieg die Zahl der hier lebenden Menschen in den nächsten 50 Jahren auf über 7.500. Im Jahr 1900 hatte Planitz über 20.000 Einwohner. Handel, Handwerk und Industrie erlebten ein enormes Wachstum. Auch die Zahl der Gasthäuser – oft mit dazugehöriger Kegelbahn erreichte ein Rekordniveau.

Planitz hatte schon 1898 ein eigenes Elektrizitätswerk. Drei Ziegeleien am Niederplanitzer Marktsteig lieferten die Ziegel für die Lukaskirche. Je ein Postamt in Nieder- und Oberplanitz, Sparkasse und Gewerbebank, eine Wäschefabrik, drei Steinbrüche, eine Konzertinafabrik, vier Steinkohlenschächte und sogar eine eigene Tageszeitung, die von der Druckerei Karl Böhm in der Inneren Zwickauer Straße 111 herausgegeben wurde. Seit 1924 hatte Planitz das Stadtrecht, nachdem Ober- und Niederplanitz sich zusammenschlossen. Ein „Rathhaus“, ein eigenes Stadtwappen und Bürgermeister Lorenz kümmerte sich 18 Jahre um die Geschicke der kleinen Stadt, bis Planitz 1944 nach Zwickau eingemeindet wurde. Weil er sich gegen die Pläne von Zwickau stellte, wurde er 1942 nach Kamenz weggelobt. In einschlägigen Dokumenten heißt es, man habe sich Planitz einverleibt.

Vieles wäre noch über das selbstbewusste Planitz und seine Planitzer zu sagen. Zwei Kinos, Linde und Capitol, das Strandbad, das noch heute zu den schönsten Bädern Deutschlands gehört und eine Buslinie, wo mit „Sichtkarten“ bezahlt wurde und einen eigenen Bahnhof.

Der Oberplanitzer Markt war schon damals das Zentrum. Hier sind besonders das »Stadtcafé«, vormals »Stadt Wien« und das Kaufhaus »Ury« zu nennen, welches später von Urys Schwiegersohn Samuel Schocken weitergeführt wurde. Nach 1949 war es dann KONSUM-Kaufhaus, aber alle Planitzer gingen weiterhin zum »Schocken« einkaufen, die Älteren behielten sogar den Namen Ury bis weit in die 70er Jahre bei, was beweist, dass die Propaganda der Nationalsozialisten „Kauft nicht beim Juden“ in Planitz nicht auf fruchtbaren Boden fiel. Schocken war halt eine Hausnummer, womit wir wieder beim Planitzer Markt und der geplanten Umstrukturierung wären.

Was soll bloß aus dem »Kaufhaus Schocken« werden. Ideen gibt es viele, aber was ist realisierbar? Die Bausubstanz ist besser als der erste Anschein glauben lässt. (2 Fotos S. 7 links) Denkbar wäre z.B. eine Markthalle. Dann stünde der jetzige Platz für den Wochenmarkt ständig als Parkplatz zur Verfügung. Im ersten Stock mit Blick zum Markt ein kleines Café und in den hinteren Räumen zur Bunsenstraße Büros oder Lager. Einzig die derzeitigen Eigentumsverhältnisse lassen befürchten, dass der »Schocken« auch nach der Rekonstruktion des Marktes weiterhin im Dornröschenschlaf verharrt. Dabei gibt es doch gute Beispiele, wie es anders gehen könnte. In Chemnitz ist aus dem »Schocken-Kaufhaus« ein phantastisches Museum geworden und auch in Zwickau und Crimmitschau scheint sich in Sachen Schocken etwas zu bewegen. Warum also sollte das in Planitz nicht möglich sein? Hier müsste die Stadt Zwickau mal Nägel mit Köpfen machen.

Auch das Grundstück rechts neben dem Kaufhaus ist ein großes Ärgernis. Nach Abriss des Nachbarhauses in der die ehemalige Bäckerei Hentschel ihr Domizil hatte und dem Ende des Gemüseladens »Weiß«, kaufte ein „Investor“ das Grundstück und seitdem verwildert es. Nach Aussagen der OB, seien der Stadt die Hände gebunden...

Wenn der Markt also dermaleinst in neuem Glanz erstrahlt, müssen die Planitzer immer noch auf zwei Schandflecken blicken. Kann man hier wirklich nichts machen? Zweifel sind angebracht.

Schon seit einigen Jahren erstrahlt das Toilettengebäude dank EU-Fördermitteln in neuem Glanz. Schade ist nur, dass es seinen eigentlichen Zweck nicht erfüllen kann, weil es ständig geschlossen ist. Die Stadt sieht sich nicht in der Lage, einen regulären Betrieb zu ermöglichen. Auch mit dieser Eulenspiegelei sollte spätestens Schluss sein, wenn der Planitzer Markt sein neues Gewand erhalten hat.

Eine in Auftag gegebene Studie an die Gesellschaft für Stadtentwicklung hat außer Kosten scheinbar weiter keinen Nutzen erbracht. Zumindest hat man sich entschlossen, die Händler rund um den Markt in die Planung der Neugestaltung mit einzubeziehen, aber es allen recht machen, kann man sicher nicht.

Den Ideen, am Markt einen Kreisverkehr zu integrieren, wurde eine Absage erteilt. Eine sogenannte große Straßen-umbaumaßnahme ist im Stadtratsbeschluss nicht vorgesehen. Die beiden „Inseln“ werden wahrscheinlich verschwinden und auch für die Pyramide muss ein neuer, dauerhafter Platz gefunden werden. Der Planitzer Markt soll nach derzeitigen Vorstellungen eine verkehrsberuhigte Zone werden und die Gewerbetreibenden rund um den Planitzer Markt wünschen sich, dass die Zahl der Parkplätze zumindest so erhalten bleibt. Jetzt muss es nur noch losgehen.

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