Es war einfach ein Genuss


Zum Premierenkonzert der Walcker-Orgel hatte der Kirchenvorstand und der Förderverein der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirchgemeinde keinen geringeren als den Organisten der Dresdner Frauenkirche Samuel Kummer verpflichten können. »der planitzer« nutzte die Gelegenheit, mit dem Preisträger zahlreicher internationaler Orgelwettbewerbe ins Gespräch zu kommen.


Weltweit als Organist unterwegs ist die rekonstruierte Walcker-Orgel wie einzuordnen?

Für mich ist es eine Ehre, dieses Instrument mit einem Konzert einweihen zu dürfen. Zunächst schwebt ein bisschen Lokalpatriotismus mit, denn die Firma Walcker stammt, wie ich, aus Stuttgart. Dann ein Instrument spielen zu dürfen, dass nach der Rekonstruktion fast seinen Originalton (von dem 1876 vorherrschenden Klangton von 435 Hertz leicht auf jetzt 438 angehoben, um ein harmonischeres Zusammenspiel mit Orchestern oder anderen Instrumenten zu ermöglichen) gleichkommt, ist etwas Besonderes.


Was ist das Besondere?

Viele Orgeln aus dem 19. Jahrhundert wurden leider durch, ich nenne es mal gewöhnliche Gebrauchsinstrumente, ersetzt. Hier wieder ein original romantisches Klangbild vorzufinden, gleicht wirklich einer Wiedergeburt, einem kleinen Wunder.


Sonst an der Kern-Orgel der Frauenkirche zu Hause (4.876 Pfeifen, 68 Register, 4 Manuale) ist die Walcker-Orgel (1.795 Pfeifen, 31 Register, 2 Manuale) doch eher ein Zwerg und leichter zu spielen?

Es ist eine schöne Herausforderung, denn lediglich das erste Manual wird durch eine Barker-Maschine (reduziert die erforderlichen Kräfte zur Öffnung eines Tonventiles) unterstützt. Ansonsten ist jeder weitere Ton durch sein eigenes Ventil zu bedienen.


Der Spieltisch steht Walcker-typisch in Richtung Kirchenschiff. Auch eine Herausforderung?

Nein, denn irgendwie ist die Stimmung im Publikum spürbar. Und bei Improvisationen, wie bei der Zugabe, ist ein Blick auf die Architektur eher inspirierend.


Noch ein Wort zur Programmauswahl!

Die Orgel scheint für die Stücke von Schumann und Liszt wie gebaut, weil es eigentlich Klavierstücke sind, die für Orgel extra umstrukturiert und bearbeitet wurden. Schumann gehört in Zwickau sowieso dazu genauso wie eine der sieben Toccatas von Bach. Liszt und Mendelssohn-Bartholdy komplettieren die Romantik.


Auch die Reihenfolge war nicht unerheblich?

Das stürmisch bewegte Präludium und die Umkehrung des Fugenthemas bei Bartholdy gaben einen Querschnitt des Klangbildes, dann der typische Bach mit Wucht gefolgt vom schon fast beschwingt daherkommenden Schumann bis hin zu Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H, die in lauten und leisen, zarten wie robusten Tönen all die Fähigkeiten des Instrumentes offenlegte. Wie ich denke, einem Premierenkonzert würdig.


Und nach tosendem Beifall und Bravo-Rufen die Zugabe nicht zu vergessen!

Bei dieser Improvisation habe ich mich von den Möglichkeiten der Orgel und der Atmosphäre tragen lassen. Es war einfach ein Genuss.

Samuel Kummer
lupe

Bild anklicken zum vergrößern

© 2005 - 2022 spatz werbung