„Zwickauer Bergsteig“ – ein Panoramaweg (5)


15.Etappe , 6 - (10km), 21/2 Stunden bis 31/2 Stunden

Ich empfehle die folgende Tour eher an einem kühlen Sommertag, im Herbst oder Frühling. An warmen Tagen bin ich mehr in den tiefen Wäldern des Erzgebirges unterwegs. Mit jedem Höhenmeter nimmt die Temperatur um 0.8°C ab. Kühnheide soll der kälteste Ort hier bei uns im Erzgebirge sein. Ich habe es probiert, es stimmt. An heißen Tagen, so wie gegenwärtig, bleibt bitte zu Hause, sucht ein Schwimmbad oder Badesee auf.


Glück auf! Ich empfehle für Etappe 5 eine Tageskarte für Bus und Straßenbahn. So gelangt ihr zügig mit der Linie 10 ins Stadtzentrum, Anschluss mit den Linien 23 oder T141 nach Oberhohndorf bis August-Schlosser-Straße. Am Wasserturm / Kreisverkehr beginnt die Wanderung. Der Turm ist er ein nützlicher Orientierungspunkt für unseren weiteren Weg. Den ehemaligen Turmbehälter lösten 2 Erdbehälter ab zur Versorgung von Oberhohndorf mit Trinkwasser. Genießt den herrlichen Blick nach Planitz und ins Muldental! Lauft entspannt weiter entlang der August-Schlosser-Straße ortsauswärts Richtung Reinsdorf immer geradeaus. An der Ortsgrenze geht die Straße nahtlos über in den Grubenweg. Der bergbauliche Aussichtspunkt (1) am Schacht des Grundherren Graf zu Solm’s lädt ein zur Aussicht.  Eine Tafel gibt eine interessante Zusammenfassung über die historische Entwicklung des Steinkohlenabbaus im hiesigen Revier. Um 1800 beauftragten Reindorfer Gutsbesitzer  Bauern aus der Umgegend, Kohle zu suchen und abzubauen. Hinter uns liegt die Halde des Wilhelmschacht III. Er wurde von 1873 – 1875 abgeteuft, d.h. erschlossen zum Abbau der Kohle bis in eine Tiefe von 287m. 1935 war die Lagerstätte erschöpft, und 1936 wurde er verfüllt. Übrig bleib ein Rest, die heutige bewaldete Halde. An über 250 Stellen um Zwickau wurde Kohle aus der Erde geholt und übrig geblieben sind rund 60 Halden. Die  z.T. bewaldeten Hügel auf unserer Wandertour sind also von Menschhand gemachte Berge.  Das erste größere Bergbauunternehmen war der 1837 gegründete Zwickauer Steinkohlenbauverein, es folgte eine Aktiengesellschaft und der Erzgebirgische Steinkohlen-Aktienverein „ESTAV“. Weitere Industriezweige entstanden, z.B. die Königin Marien-Hütte in Cainsdorf, Maschinen-,Seil- und keramische Fabriken. Kohlenbahnen durchzogen das Tal bei Oberhohndorf und Pöhlau zum Abtransport der Kohle. Alte Aufnahmen von Zwickau zeigen zahlreiche Industrieschlote. So entstand auch der Begriff vom „Ruß-Zwigge“. Wenn Kohle verbrennt, entstehen Rußpartikel und Gase, und ohne leistungsfähige Filter gelangten sie in die Zwickauer Luft. Bei Inversionswetterlagen lag eine regelrechte Dustglocke über dem Tal der Mulde. Ich kenne noch den beißenden Geruch nach Schwefelwasserstoff, Ammoniak und  Aromaten aus dem August-.Bebel-Werk, der ehemaligen Kokerei. Heute befindet sich dort der Globus- Einkaufsmarkt.

Folgt dem Grubenweg und biegt links ab in die Karl-Marx-Straße. Es lohnt sich hier noch einmal ein kurzer Rückblick ins Muldental. Lauft weiter bis zur Lößnitzer Straße, dort rechts ab, am Forsthaus biegt links ein auf den Morgensternweg. Dieser führt über eine Brücke der Ortsumgehung Wilhelmshöhe. Kurz nach der Brücke liegt  vor euch die Halde des Morgensternschachts I, dort rechts halten, vorbei  am Tor zum Aufgang zur Halde. Es ist die Zufahrt zum Sportplatz. Eine Infotafel steht direkt am Weg. Gegenüber befand sich einst der Morgensternschacht. 105 Jahre bis 1965 schlängelte sich hier die eine Kohleneisenbahn entlang. Bis 1956 wurde hier Kohle gefahren und bis 1965 war es eine Industriebahn für hier ansässig Betriebe.

Der Weg geht weiter, auch ein guter Radweg, im Schatten der Halde. Achtung aufpassen! Hinter der Halde nehmt ihr den Pfad nach links. Ihr seid richtig, wenn ihr zur rechten Seite einen weiteren Sportplatz seht. Der Pfad mündet in die  Wiesenaue, dort rechts abbiegen und immer der Wiesenaue folgen. Zur linken Seite schlängelt sich der Reinsdorfer Bach.

Am Rathaus gibt es ein paar Sitzgelegenheiten. Im Bach könnt ihr gerne Wassertreten nach Kneipp.

Erfrischt wandert ihr weiter vorbei am Geldautomaten der Sparkasse bis zur Straße der Befreiung, dort rechts ab. Ihr erblickt die Kirche St. Jacobus mit dem schlanken Turm. Am Bergweg geht es links steil bergauf durch ein kleines Wohngebiet. Die Straße mündet in einen Feldweg gesäumt  von Birnenbäumen. Wenn ihr unterwegs verschnauft, blickt euch öfter einmal um. Die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter besser und es weht ein frisches Lüftchen. An der Kreuzung auf der höchsten Stelle wandert weiter geradeaus Richtung Pöhlau. Rechts ab, das wäre ein kleiner Abstecher zur Friedenseiche.

Plötzlich, wie Zauberei, taucht vor euch zur rechten Seite der Vierer Schacht(2) auf, das Bauwerk mit dem Graffiti-Kunstwerk. Nach einer kurzen Strecke durch ein kleines Wäldchen, erblickt ihr die ersten Häuser von Pöhlau. Geradeaus, vorbei an einem schönen Hinweisschild (3), das ist nun die Pöhlauer Straße. Das Gasthaus Waldschänke läd ein zur Rast. Bitte vorher erkundigen nach den Öffnungszeiten!! Nun könnt ihr euch entscheiden, mit dem Bus der Linie 24 ins Zentrum von Zwickau fahren oder weiter wandern. Bis hier waren es 6m und bis ins Zentrum müsst ihr noch 4km schwitzen. Die Pöhlauer-Straße macht nach dem Gasthaus eine scharfe Rechtskurve. Achtung, da nicht lang!! Wir nehmen die Abkürzung über den Pöhlauer-Ring geradeaus und stoßen am Ende wieder auf die Pöhlauer-Straße, dort bitte links abbiegen. Wochentags hat hier eine Bäckerei geöffnet.  Wenn ihr euch für den Bus entscheidet, es gibt im Verlauf des Weges einige Haltestellen. Die Fahrzeiten sind recht übersichtlich, deshalb mein Rat, den Fahrplan im Internet studieren. Links neben der Straße schlängelt sich der Pöhlauer Bach und die Bahngleise der Brückenberg-Kohlebahn durch das Tal. Diese Bahnstrecke steht unter Denkmalschutz und wird seit 2012 von einem Förderverein betrieben. Termine für regelmäßige Fahrtage auf der Strecke vom Stellwerk W3 zum Pöhlauer Bahnhof  findet ihr im Internet. Führerstandsmitfahrten auf der Kleinlok sind auf Anfrage möglich, für Eisenbahnliebhaber ein Erlebnis!!

Zur Orientierung, links über dem Tal befindet sich eine Kiesgrube und der Golfclub, rechts oben auf dem Brückenberg lag einst das „VEB  Steinkohlenwerk Karl Marx“.

Wählt ihr den Fußweg, so ist das Zentrum überhaupt nicht zu verfehlen, immer geradeaus, über die Paradiesbrücke die Mulde queren und geschafft.

Ich habe bewusst zum Schluss den Besuch des Stadtzentrums eingeschlossen. Ich denke, die City muss dabei sein. Prägt euch die markanten Bauten, den Dom, die Katharienenkirche und die Hochhäuser ein. Außerdem habt ihr reichlich Gelegenheit für eine Stärkung. Egal, ob Eisdiele, Hausmannskost, Imbiss oder Nobelrestaurant, es ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

Mit Bus und Straßenbahn, und wenn ihr wollt, sogar mit der Vogtlandbahn könnt ihr die Heimreise antreten.

So, nun wisst ihr, warum ich so viel Zeit angegeben habe. Die zahlreichen interessanten Details aus der Zwickauer Geschichte laden zum Verweilen ein.

Ich wünsche euch einen guten Weg und lebhafte Gespräche!


„Glück auf“ - Eure Ines Einhenkel!

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