Die Geschichte der Planitzer Friedhöfe (2)


Ab dem 12. Jahrhundert haben die Planitzer auf dem Friedhof am Fuße des Schlossberges (ehemalig Standort Oberplanitzer Apotheke) ihre Ruhestätten gefunden. Auf diesem kleinen Friedhof fand die letzte Bestattung im Jahr 1760 statt. Schon 1582 wurde der zweite Planitzer Friedhof, den wir heute Arnimscher Friedhof nennen, gleichzeitig mit dem Bau der Schlosskapelle St. Niclas (jetzt Schlosskirche) angelegt.

Mit Ausbreitung der Steinkohlenindustrie Mitte des 19. Jh. kam es in Planitz zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung. Innerhalb von 70 Jahren verdreißigfachte sich die Einwohnerzahl. Der alte Friedhof wurde den Planitzern bald zu klein. 

1854 wurde zum ersten Mal in der Kirchgemeinde über einen neuen Friedhof beraten. Zunächst wurde ein kleineres Areal entlang der Friedhofsstraße gepachtet. Diesen Bereich kennen wir heute noch als den älteren Friedhofsteil (im Bereich um die jetzige Feierhalle). 1862 wurde nach langen Verhandlungen zusätzlich ein Areal von mehr als 10.000 qm von der Familie von Arnim gekauft.

1856 begrub man auf dem „neuen“ Planitzer Friedhof den ersten Verstorbenen. Zunächst sollte das neue Friedhofsgelände nur eine Übergangslösung sein bis wieder genug Platz auf dem alten (Arnimschen) Friedhof wäre.

Doch schon 1866, während der Choleraepedemie, wurde hier jeder Platz mehr als nötig gebraucht. Über 250 Opfer der Cholera wurden hier begraben. An sie erinnert noch heute das von Isolde von Arnim 1880 gestiftete Cholerakreuz.  Nach der Choleraepedemie war der Friedhof buchstäblich voll und die Kirchgemeinde musste weiteres Gelände erwerben – unter anderem für die Errichtung geräumiger Funktionsgebäude. Hierzu kaufte die Kirchgemeinde mehrfach neues Land und erschloss so Stück für Stück das Gelände am Hang zum Schlosspark.

1886 wurde auf dem älteren Friedhofsteil die erste Friedhofskapelle gebaut. Zeitgleich wurde eine Mauer um den Friedhof errichtet.  

Ab 1890 wurde die Friedhofsfläche hin bis zur Ecke Cainsdorfer/Lengenfelder Straße erweitert.  Ab 1912 sind oberhalb der Feierhalle große Familiengrabstätten errichtet worden.

Um 1920 folgte eine weitere Erweiterung nach Norden in Richtung des Schlossparks. Zur Überwindung der Höhendifferenz am Hang wurden Treppen angelegt. Ende der 20er Jahre entstand hier nach einem Entwurf von Adolf Schüttauf der Urnenhain.

Zu Ehren der Gefallenen des 1. Weltkrieges wurde 1928 am ehemaligen Standort des Cholerakreuzes ein Kriegerehrenmal von dem Bildhauer Otto Heilmann errichtet. Das Cholerakreuz wurde daraufhin an die Friedhofsmauer zur Cainsdorfer Straße hin versetzt. 

Ab 1930 wurde die Friedhofsfläche auf dem „Krähenhügel“ des Schlossberges erweitert. Auf der höchsten Erhebung des neuen Friedhofsteils errichtete man einen von Linden beschatteten Feierplatz mit direktem Blick auf die Lukaskirche mit ihrem Turm – den heutigen Kreuzplatz.

Der 2. Weltkrieg machte eine Erweiterung der Kriegsgräberstätte notwendig. 

Nach einer gestalterischen sehr guten Zeit (bis 1967 durch den Friedhofsverwalter Herr Kühn) kam, auch bedingt durch die sozialistische Planwirtschaft, es bis 1992 zu einer starken Vernachlässigung der Pflege und Gestaltung der gesamten Friedhofsanlage. Eines der ersten Bauprojekte war die komplette Erneuerung der Friedhofsmauer an der Cainsdorfer Straße.

1997 wurde das baufällige Gebäude, das als Abschiednahme diente, weggerissen.

Im selben Jahr begann der Neubau einer Abschiedshalle mit Toiletten. Inzwischen wurden fast alle baulichen Gebäude/Anlagen saniert oder neu errichtet. So auch das Wirtschaftsgebäude vom Planitzer Friedhof – Haus Lukanien.

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Bild 1: Friedhof am Fuße des Schlossberges (ehemaliger Standort Oberplanitzer Apotheke)


Bild 2: Zeichnung von Adolf Schüttauf


Bild 3: Die erste Friedhofskapelle auf dem älteren Friedhofsteil


Bild 4: Cholerakreuz auf dem Planitzer Friedhof

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