In eigener Sache


Es tangiert mich eigentlich nicht wirklich, da ich kein Fußballfan bin, aber die Nachrichten der letzten Wochen, dass künftig immer mehr sportliche Großereignisse nicht mehr im öffentlich rechtlichen Fernsehen übertragen werden, stößt auch bei mir auf Unverständnis und Verärgerung. Haben nicht ARD und ZDF laut Rundfunkstaatsvertrag einen Versorgungsauftrag? Nachdem man den GEZ-Beitrag durch eine sogenannte „Haushaltabgabe“ ersetzt hat und damit alle Deutschen zur Kasse bittet, präziser formuliert, abkassiert, denn eine Bitte ist das ganz und gar nicht, müsste doch eigentlich genug Geld in den Kassen der beiden Sender sein. Die Einnahmen aus dem Zwangsbeitrag beliefen sich seit der Einführung im Jahr 2013 auf jährlich fast 8 Milliarden Euro. Fünf der 10 Intendanten der Rundfunkanstalten werden mit jährlich mehr als 300.000 Euro entlohnt, wobei der WDR-Chef, Tom Buhro 367.232 Euro jährlich kassiert – wohlgemerkt ohne Nebeneinnahmen – und einen derzeitigen Pensionsanspruch von 2,87 Mio. hat. Ohne ein Neiddebatte entfachen zu wollen: Das ist deutlich mehr als Bundeskanzlerin Angela Merkel samt Abgeordnetenpauschale bezieht! Diese Gehälter der Fersehfürsten sind natürlich unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg der Rundfunkanstalten, der angesichts der „Sparmaßnahmen“ bei Fußball und  Olympia getrost bezweifelt werden darf. Parallel dazu wird das restliche Programm immer flacher und anspruchsloser und die Werbung – auch als Einblendung in Spielfilme zu bester Sendezeit immer mehr. Kommt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinem Versorgungsauftrag noch nach oder wurde hier der Turbokapitalismus endgültig von der Leine gelassen, wenn die Mediengiganten Discovery Channel und Sky sich eine Schlacht um Übertragungsrechte liefern und der abkassierte Fernsehzuschauer von Jahr zu Jahr buchstäblich mehr in die Röhre schaut? Müssen Sportfreunde jetzt womöglich gleich mehrere Verträge mit Anbietern von Bezahlfernsehen abschließen, weil der eine dies und der andere jenes Sportereignis exklusiv vermarktet? Die Stimmen, die die Abschaffung des Rundfunkbeitrages fordern werden mehr und deutlicher. Dem schließe ich mich an, auch wenn ich mit Fußball nicht so viel am Hut habe.


Herzlichst

Stefan Patzer

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