In eigener Sache


He, Sie sind schuld. Und Sie, und Sie und selbstverständlich auch ich. Weil wir den ganzen doppelt und dreifach in Plastik verpackten Scheiß kaufen. 50 Gramm hauchdünn geschnittene Wurst, die aussieht wie Salami, aber in Wirklichkeit nur sogenanntes Dreimillimeterfleisch ist, das den Namen Fleisch überhaupt nicht verdient hat. Die Verpackung ist natürlich drei mal größer als der Inhalt und macht höchstwahrscheinlich auch den Löwenanteil des Preises aus. Und weil ein grüner Punkt drauf ist, haben Sie die Entsorgung selbstverständlich auch gleich noch mit bezahlt. Und auch die kleinste Schraube ist hierzulande auf einem 15 x 25 cm großen Blister aus Plastik verschweißt. Für mich die Krönung des Verpackungswahnsinns sind die »Fruchtzwerge«. Ein halber Esslöffel pappsüße Pampe, die sich Fruchtjoghurt nennt in Miniplastikbechern als Sechserpack zu einem Preis, bei dem man beim Discounter 500 Gramm in einem kleinen Eimerchen bekommt.

Kommen Sie jetzt bloß nicht auf die Idee, dass die Industrie an dem ganzen Plastikmüll schuld ist. Nein, wir, also die Verbraucher, sind die Umweltsünder. Die Industrie lieferte uns „hochwertige Produkte in ansprechenden und hygienischen Verpackungen“ und erst wir haben den Plastikmüll erzeugt. Ergo müssen wir uns schuldig fühlen, weil wir ja für die ganze Umweltverschmutzung verantwortlich sind. Ich will jetzt nicht mit der alten Leier anfangen, früher war alles besser, aber in der DDR hatte nicht jedes Haus eine riesengroße »Gelbe Tonne«, die jede Woche voll war.  Warum wohl? Weil der Verpackungsterror eine Erfindung Westdeutschlands (oder Amerikas) ist und erst 1990 zu uns herüberschwappte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir Milch mit einer Blechkanne geholt haben. Später dann in Glasflaschen (20 Pfg. Pfand!). Die Wurst wickelte der Fleischer in einfaches Packpapier.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass in jedem Fall der einfache Bürger der Schuldige ist, findet sich an der Anschlagstafel der Gartenanlage »Am Kreuzberg«. Hier weist der Amtsleiter des Garten- und Friedhofsamtes, Dr. Jörg Voigtsberger, an, dass in der Gartenanlage kein Glyphosat verwendet werden darf. Auch nicht auf Privatgrundstücken. Aber damit begibt er sich auf juristisch sehr dünnes Eis, aber Zwickau hatte bei rechtlichen Streitfragen noch nie ein glückliches Händchen. Jüngstes Beispiel: Das Verwaltungsgericht Chemnitz hatte die Nutzungsuntersagung der Stadt Zwickau für das Fashion Outlet Zwickau (FOZ) für rechtswidrig erklärt.

Doch zurück zum Glyphosat. Ich kann mir eigentlich überhaupt nicht vorstellen, dass ein Kleingärtner in seinem Garten derartige Unkrautvernichtungsmittel einsetzt. Dagegen auf den an die Gartenanlage angrenzenden Feldern... Alles erlaubt! Wenn die Agrarbetriebe das wenigsten nur versprühen würden, wenn keine Bienen fliegen. Aber für den Schutz der Insekten sind ja wieder nur die für alles verantwortlichen Bürger zuständig.

Neulich fragte mich ein Bekannter, der Professor für Geschichte an einer renomierten Sächsischen Hochschule ist, ob ich wisse, was Faschismus ist. Ich: Klar doch, worauf er erwiderte, dass ich nicht an die unsägliche Zeit von 1933 bis 1945 denken soll. Das war Nationalsozialismus. Faschismus ist laut Definition, wenn eine Regierung eine Politik für Großkonzerne und Banken macht und nicht für das eigene Volk. Darauf antwortete ich: Aber dann haben wir ja jetzt Fa...

Aber das spricht man dann doch wohl lieber nicht aus. Vielleicht sollte man es nicht einmal denken.


Herzlichst

Stefan Patzer

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