In eigener Sache


Das Thema Mobilität lässt mich nicht los. Nachdem ich mich im Januar und Februar mit Luft und Feinstaub beschäftigt habe und sowohl viel Zustimmung, aber mir auch Kritik anhören musste, kriegt es diesmal die Elektromobilität mit meiner kritischen Feder zu tun. Allenthalben hört man nur in den Medien, wie toll doch Elektroautos seien, aber in meinem Kopf spuken da ganz andere Gedanken herum. Ich versuche mal etwas Struktur in die vielfältigen Facetten  des Themas zu bringen. Wenn man überhaupt Kritik am Elektroauto hört, wird meist nur die Reichweite  und der Kaufpreis genannt, aber das kann sich beides noch vergleichsweise schnell verbessern. Die Forschung kümmert sich um leistungsfähigere Akkus und der Markt regelt den Preis. Interessanter ist da schon die Ökobilanz – und zwar die gesamte, von der Herstellung bis zum Recycling des schadstoffreichen Akkus. Der ADAC hat mal nachgerechnet und kommt zu erschrec-kenden Ergebnissen. Zwar fahren E-Autos auf der Straße tatsächlich emissionsfrei, aber bei der Herstellung – hier sei besonders die Batterie genannt – und beim Recycling, schneiden schon Wagen der Mittelklasse deutlich schlechter ab als der ach so drec-kige Diesel. Und das selbst, wenn der Strom zum Laden nicht mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird, wovon wir aber noch weit entfernt sind.

Über die sogenannten „seltenen Erden“, welche eigentlich Metalle sind und für alle modernen Technologien – vom Smartphone bis zum Elektroauto – unerlässlich sind, gäbe es viel zu sagen. Nur soviel: Auch hier hat nicht Deutschland, sondern China die Nase vor, obwohl deren Riechorgan deutlich kleiner ist als ein durchschnittlicher  deutscher „Zinken“. Kritiker befürchten neue Kriege um Rohstoffe.

Die ganz große Frage ist aber das Laden der Elektroautos. Die Probleme fangen  im kleinen Privathaushalt an und hören an der Autobahn noch lange nicht auf. Wo soll der Mieter einer Wohnung – z.B. in Neuplanitz oder Eckersbach sein E-Auto an die Steckdose anstöpseln? Und auf der Autobahn? Die deutlich längeren Ladezeiten, als eine Betankung mit Benzin oder Diesel dauert, erfordert bedeutend mehr Tanksäulen, sprich Ladestationen. Ich versuche mir vorzustellen, wie dick die Elektrokabel sein müssen, die diese Energie bereitstellen können – und dabei haben wir noch gar nicht über die verschiedenen Anschlusssysteme gesprochen. Ein TESLA passt nur an eine TESLA-Ladestation. Wenn Sie ihr E-Auto bei sich zuhause laden wollen, ist die normale Steckdose auch nur für den Notfall geeignet und es dauert lange. Starkstrom,  eine 32 Ampere-Absicherung und eine extra Ladestation erzeugen zusätzliche Kosten.

Als leidenschaftlicher Sachse denke ich aber auch an die Arbeitsplätze. Man sagt, dass deutlich weniger Arbeitskräfte für ein Elektroauto gebraucht werden. 8.000 VW-Werker werden wohl zukünftig in Mosel nicht mehr in Lohn und Brot stehen. Und da reden wir noch nicht einmal von der Zuliefererindustrie! Warum der Mutterkonzern in Wolfsburg das E-Auto nicht selbst baut, sondern in den Osten gewichtelt hat, kann man nur vermuten. Sollte sich das ganze Projekt zum Fiasko entwickeln, haben wir mal wieder die

A...-Karte. Für mich sind das zu viele ungeklärte Punkte. Mein nächstes Auto wird wieder ein Diesel.


Herzlichst

Ihr Stefan Patzer

(der alte Umweltverschmutzer)

© 2005 - 2019 spatz werbung und MMP Zwickau