In eigener Sache


Also jetzt mache ich mir wirklich Sorgen.  Die deutsche Sicherheit scheint massiv in Gefahr zu sein. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht, nachdem der letzte deutsche Soldat aus Afghanistan abgezogen ist.

Erinnern Sie sich? Der einstige Deutsche  Kriegsminister Peter Struck hatte es uns 2002 kurz nach Beginn des dubiosen Abenteuers  zu dem Deutschland  als „Bündnispartner“ der kriegerischten Nation auf diesem Planeten angeblich verpflichtet ist, mit seiner einschläfernen und schleppenden Stimme erklärt. Befragen kann man ihn nicht mehr, aber schon damals hat diese Räuberpistole niemand geglaubt – nicht mal die Genossen aus den eigenen Reihen.  Jedem normalen Bürger, der seinen Kopf  einigermaßen gerade auf den Schulten trägt, war schon Anfang der 80er Jahre, als die Sowjetunion gegen Afghanistan zog, klar, dass  dieses Unterfangen höchst aussichtslos ist, was sich dann zehn Jahre später für die „unbesiegbare Sowjetmacht“ bestätigte. Aber die Geschichte der Kriege in Afghanistan reicht viel weiter zurück. Auch England hat sich am Hindukusch nicht nur eine blutige Nase geholt, sondern eine ihrer größten militärischen Niederlagen erlebt. Von 16.000 Soldaten überlebte nur ein Einziger, damit er berichten kann. Theodor Fontane hat das 1857 in seinem Gedicht »Das Trauerspiel von Afghanistan« ergreifend in Verse gefasst.

Trauerspiel kann man auch das 20 Jahre dauernde Abenteuer nennen, an dem sich Deutschland beteiligte und das nach dem Abzug der Soldaten noch lange nicht zu Ende ist. Ich will nicht empathielos erscheinen. Jeder Krieg ist mit Opfern verbunden und  (nicht nur) jeder deutsche tote Soldat ist einer zu viel. Aber jeder, der in einen Krieg zieht, weiß, worauf er sich einlässt. In aller Regel lässt er sich für Interessen verheizen, die sehr wahrscheinlich nicht seine eigenen sind und die Leichenbittermine der Kanzlerin, wenn ein Sarg aus dem Flugzeug geladen wird, ist eine bodenlose Heuchelei. Sie selbst hat ja keine Söhne…

Zu reden wird aber auch sein von den großzügigen „Geschenken“, die die glücklosen Kämpfer nach gescheiterter Mission zurücklassen: Millionen Handfeuerwaffen und Milliarden Schuss Munition, 600 Schützenpanzerwagen, 100.000 Gelände-fahrzeuge vom Typ Toyota Hilux und Ford Ranger, Panzer, Kampfflugzeuge und modernste Hubschrauber machen die Taliban und die IS-Terroristen zu einer bestens ausgerüsteten Truppe. Auf ein Dankeschön können wir lange warten. Gern geschehen.

Aber auch damit ist die „Friedensmission“ noch nicht beendet, denn jetzt müssen wir uns um die armen unter Lebensgefahr stehenden „Ortskräfte« und natürlich auch um deren Familien kümmern. Wobei „WIR“ offensichtlich wieder mal ausschließlich Deutschland ist. Oder haben Sie schon mal gehört, dass die USA oder irgend ein anderes Land der EU, das an dieser Geschichte beteiligt war, jetzt „Verantwortung übernimmt“? Ich nicht.

Peter Scholl-Latour, einer der letzten wirklich großartigen deutschen Journalisten und selbst entschiedener Gegner des Afghanistan-Einsatzes, sagt einmal: „Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern der wird selbst zu Kalkutta.“ Wenn der 2014 90jährig verstorbene Journalist heute noch unter uns weilen würde, hätte er sehr wahrscheinlich Kalkutta durch Afghanistan ersetzt, weil die Inder zwar ein sehr armes, aber mit ihrer Religion bei weitem nicht so großes Gefahrenpotential darstellen wir die islamische Ideologie, die ich ganz bewusst nicht als Religion bezeichnen würde. Und man darf auch nicht erwarten, dass ein Volk, das seit Jahrhunderten gewöhnt ist, Konflikte mit Gewalt zu lösen, plötzlich friedlich wird – weder dort in ihrem eigenen Land noch hier in Deutschland. Zumal ja die angeblichen „Friedensbringer“ dort mit reichlich Waffen angerückt sind. Siehe meine Aufzählung weiter oben, die ich mir nicht ausgedacht habe. Quellen könnte ich anders als Baerbock, Giffey und Co. jederzeit belegen. Sie können aber auch gern selbst recherchieren.


Herzlichst Ihr

Stefan Patzer

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