In eigener Sache


So, wir haben also wieder mal die Wahl. Das heißt, am 24. September ist Bundestagswahl und man bittet den Bürger an die Urne. Er soll seine Stimme „abgeben“. Schon die Wortwahl Urne und abgeben, wirkt da irgendwie befremdlich. In eine Urne kommt doch eigentlich etwas totes, die Asche eines Verstorbenen zum Beispiel.  Und wenn ich meine Stimme abgebe, habe ich sie dann nicht mehr? Bin ich dann sprachlos? Kann und darf ich dann nichts mehr sagen?

Ach, wie hatten wir DDR-Bürger 1990 uns gefreut, als man uns nun endlich freie Wahlen offerierte nach all den Jahren des Zettelfaltens. Ich habe übrigens vor 1990 kein Wahllokal betreten und darauf bin ich ganz besonders stolz. Viel Mut hat nicht dazugehört, aber trotzdem haben es nur wenige konsequent getan. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

Dann kam die Wende und alles sollte ganz anders, sprich viel besser und vor allem demokratischer werden. Dabei hatte doch gerade die DDR den Anspruch demokratisch zu sein…

Zumindest in den ersten Jahren nach der Wende hatten wir noch das Gefühl, eine Wahl zu haben. Bis dahin wechselten sich die CDU und die SPD noch regelmäßig ab, aber nach der Wahl machten die Parteien was sie wollten und die Stimme das Bürgers war erst mal für die nächsten vier Jahre nicht mehr gefragt.

Dann wurde etwas Neues erfunden: Die GROKO, die große Koalition. Nicht konservativ wie die CDU und nicht sozial, wie sich die SPD gern selbst sah. Einfach GROKO. So was wie eine Einheitspartei. Quasi die SED des Westens. Wozu also noch wählen, wenn von vornhinein schon klar ist, wie es weitergeht? Ob nun die Rautenfrau bis zur Mumifizierung weiterhin alle Probleme aussitzt oder der heilige St. Martin die nächsten vier Jahre das Ruder in der Hand hat, ist doch vollkommen schnurz. Am Ende wird es doch nur wieder eine GROKO. Und wer ist schuld? Ganz klar, der Wähler. Weil er sich nicht entscheiden kann zwischen Fisch und Fleisch, zwischen Pest und Cholera, zwischen Skylla und Charybdis.

O glücklich, wer noch hoffen kann aus dem Meer des Irrtums aufzutauchen,


meint

Stefan Patzer

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