In eigener Sache


Falls Sie es nicht selbst gesehen haben, werden Sie es wahrscheinlich nicht glauben und für einen verfrühten Aprilscherz halten. Bei einem großen deutschen Discounter, also angeblichen Billigladen – ich will hier den Namen nicht nennen, aber Sie wissen schon, dort wo es all die  guten und billigen Sachen gibt – sah ich doch heute schwarze Makkaroni. Schnäppchenpreis, versteht sich. 175 gr. für schlappe 2,99 Euronen.

Warum liegen die nicht im Regal für Eierteigwaren, fragt mich mein Hirn, aber just im selben Moment sagten mir meine Augen, dass es gar keine Makkaroni seien, sondern Trinkhalme. Essbar, vegan und der Umwelt zuliebe auch in Plastikfolie verpackt, die wirklich recyclebar ist. 30 Stück für schlappe 6 Märker  – für alle, die immer noch umrechnen und glauben,  die gute alte DM kommt irgendwann mal wieder.

Im Ramschladen nebenan, der seine Werbeikone Verona Pooth schon lange wieder auf eine Sonderumlaufbahn ins Universum der Sprachbegabten gekickt hat, gibt es – bäh – unsägliche und höchst umweltschädliche Plastiktrinkhalme. 150 Stück für einen Euro.

Als kleines Rechengenie ist mir natürlich sofort aufgefallen, dass die Ökovariante des Saugrüssels für Caipirinha und ähnliche ekelige Schüttelmixturen 15 mal soviel kostet wie die Variante für die Umweltsau. Sie wird zwar höchstwahrscheinlich nicht aufgegessen, wie der Hersteller das Produkt bewirbt und landet genau so im Müll wie das Plastiktrinkröhrchen, aber der umweltbewusste Schluckspecht hat jetzt ein gutes Gewissen und schläft seinen Rausch aus in dem Bewusstsein, die Welt gerettet zu haben. Dabei gibt es noch eine viel bessere Variante: Trinkhalme  aus Edelstahl. 20 Stück für 14,99 1, also 112 mal so teuer wie das in Verruf geratene Wegwerfprodukt. Immerhin ist da ein Reinigungsbürstchen dabei, aber spätestens wenn das seinen Dienst quittiert, bleiben die Dinger versifft im Schrank oder landen auch im Müll. Vegan waren sie ja ohnehin nie.

Was will ich damit sagen? Der Irrsinn hat Methode und solange es Menschen gibt, die mehr Geld als Hirn haben, machen die Erfinder von vollkommen sinnfreien Ökoprodukten richtig gute Geschäfte. Ich gönne es ihnen. Die besten Geschäfte wurden halt schon immer mit der Einfalt der Menschen gemacht.

Schlimmer ist da meiner Meinung nach, die Idee unserer gewählten Volksvertreter, das Billigfleisch demnächst ordentlich zu besteuern. Das Schnitzel vom Schwein aus der Massentierhaltung wird zwar dadurch qualitativ nicht besser, aber der unverbesserliche und immer noch nicht auf vegan Umerzogene braucht dann wenigstens kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Moderner Ablasshandel halt. Sobald das Geld im Kasten klingt, die Schweinchen plötzlich BIO sind.

Weniger, aber dafür hochwertiges Fleisch zu produzieren und dem Bauern dafür einen angemessenen Betrag zu zahlen statt „großzügiger Subventionen“ von der EU? Wer kommt schon auf solche abwegigen Ideen? Mich erinnert da vieles an die Lalen zu Lalenburg, die der halbwegs gebildete Deutsche als sogenannte Schildbürger kennt. Oder an Till Eulenspiegel, der seine leichtgläubigen Mitmenschen zum Narren hielt. Oder an Josef Schweijk, der sein Bier nicht mit einem essbaren Trinkhalm durch die Kehle beförderte.

Vielleicht treffen wir uns ja mal. Nach dem Krieg. Um sechs im »KELCH«.


Herzlichst

Ihr Stefan Patzer

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