Farbenspiel


Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter bunt. So lautete einst in etwa eine Hauff-Henkler-Schlager-Zeile. Nicht auf der Leiter, sondern an der Wahlurne mixten die Bürger jüngst eine Farbkombi, die für die kommenden vier Jahre – zumindest laut Farbenlehre – anscheinend irgendwie eine Tertiärfarbe mit einem Gelbstich ergeben könnte. Denn wie heißt’s so schön: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Am Ende könnte es allerdings diesmal heißen: Nach der Wahl ist’s eine Qual!

Denn es liegt noch immer schier Unverdauliches im Wähler-Magen. Mal von Corona und Afghanistan ganz abgesehen. Die Dauerthemen Gesundheits- und Bildungspolitik hier zu beleuchten, reicht der Platz nicht. Grundsätzlich hat hierbei der Föderalismus auf ganzer Linie versagt. Aber doch zwei Beispiele: Polikliniken sind Mist, werden abgeschafft. Zwanzig Jahre später sind Ärztehäuser das Nonplusultra. Ein Abitur aus Mitteldeutschland öffnet nicht unbedingt jede Uni-Tür im Norden oder Süden der Republik. Mit normalem Abi-Wissen ist allerdings erkennbar: Völlig ausreichend beim Mixen der erwähnten Farbkombi war und bleibt die plötzliche Anwandlung aus jedweder politischen Farbrichtung in einen teils irrealen Öko-Umwelt-Aktionismus.

CO2-Ausstoß heißt das Stichwort, bei dessen Eindämmung oder gar Beseitigung Deutschland eine Vorbildrolle spielen will. Als ob jemand im weiten Afrika nach einem Blick in die Zeitung oder per Trommelzeichen sich danach richtet, was die Germanen mit ihrem Ein-Prozent-Anteil an der Weltbevölkerung und Zwei-Prozent-Anteil am CO2-Ausstoß tun oder lassen. Genau dort, wo alte Dieselautos – auch genehmigt en masse aus Deutschland importiert – mehr als fünfzig Prozent ausmachen. Von ost- und südosteuropäischen Ländern mal ganz abgesehen.

Gleichfalls Bauchweh gibt’s beim forcierten Kohle- und weiteren Atomkraft-Ausstieg. Auf der Insel, bei den Galliern, egal wo Atomkraftwerke gebaut werden – wer ist vor Ort? Spezialisten aus Deutschland! Wenn’s aus Kraftwerksschloten raucht – wer stellt super Filteranlagen her und baut sie ein? Spezialisten aus Deutschland! Genau die Deutschen, die ihre Ökostrom-Produktion bis 2030 verdoppeln müssten, um erstmal das derzeitig benötigte Niveau zu erreichen. Und wo sollen all die Wind- und Solarparks stehen? Natürlich nicht im schönen Bayern oder Baden-Württemberg. Die verlagern wir nach Sachsen. Dort installieren wir gleich noch ein paar Atommüll-Endlager.

In puncto Umweltsünden muss auch die Hochwasserkatastrophe Mitte Juli erwähnt werden. Noch mehr die versprochene Sofort-Hilfe. Die kam vorrangig sofort von beherzten Bürgern aus dem gesamten Bundesgebiet. Am 10. September – also sofort – warteten zahlreiche Betroffene immer noch auf erste Zahlungen der am 21. Juli beschlossenen Soforthilfe, winkte der Bundesrat endlich den Sonderfonds für den Wiederaufbau durch.

Ach ja – E-Mobilität nicht zu vergessen. Die würde Sinn machen, wenn es Batterie-Tausch-Stellen geben würde. Aber auch dann nicht, weil zur Batterieherstellung genauso viel, wenn nicht sogar mehr Energie – woher die auch genommen wird – verbraucht wird.

Noch ein i-Tüpfelchen obendrauf. Zum Thema Einwanderung mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Eine Berliner Werbeagentur erhielt von einem Zahnpasta-Hersteller den Auftrag, einen TV-Spot zu produzieren. Der fertiggestellte Spot wurde abgelehnt, weil kein farbiger Akteur darin vorkam.

Wobei wir wieder bei der eingangs erwähnten Farbkombi angelangt wären. So bunt wie die irgendwann verkündete Regierungs-Farbkombi auch ausfällt. Alles an der Wahl(Qual)urne in Betracht gezogen zu haben… ein Unding. Da passt – ohne parteipolitische Hintergedanken zu haben – auch etwas abgewandelt eine Manfred-Krug-Zeile wunderbar: Mir wird schwarz vor den Augen, ich seh’ lila und grün…


uhe

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