Gedanken eines Schlossgespenstes


Alle Jahre wieder kommt das Schlossfest. Immerhin gab´s diesmal einen durchaus besonderen Anlass zum Feiern – das 25jährige Bestehen des Clara-Wieck-Gymnasiums. Da hab´ ich aus den Erfahrungen vergangener sogar „Nicht-Jubiläums-Jahre“, insbesondere aber in Erinnerung an das 20-Jährige, sicherheitshalber vorgeschlafen, wie´s so schön heißt, statt üblicherweise nachts durch die Gemäuer zu huschen. Eine gute Mütze Schlaf geholt, wollt´ ich mir also ausgeruht und neugierig das Tagtreiben nicht entgehen lassen. So hab´ ich denn auch wieder mit Action in höchstem Maße gerechnet, mir Gedanken gemacht, wo ich was mir wann zu Gemüte ziehe. Schließlich bin ich über die Jahre schon verwöhnt wie mit Jazz- und Blues-Bands oder Big-Band-Sound, Zauberkunst, Turniertanz, sogar mit einer Feuershow.

Aber so ist´s mit dem Denken. Das soll, wird erzählt, eher den Pferden überlassen werden. Die haben dazu einen größeren Kopf. Einen Kopf schienen sich die Veranstalter diesmal allerdings nicht so recht gemacht zu haben. Wohl nach dem Motto: Ob 23 oder 25, die Zahl ist egal. 25 Jahre sind halt eben nur mal so 25 Jahre, eben ein Pappenstiel, da gibt´s nicht viel. Hauptsache, das Haus ist offen, für Speis und Trank ist gesorgt.

Mir, und nicht nur mir, ergab sich der Eindruck, dass den Veranstaltern, also dem Förderverein samt Vorstand, die Ideen ausgegangen – oder wie zu hören war – inzwischen die Macher abhandengekommen sind. Gedenk vorangegangener Schlossfeste, auch ohne Jubiläums-Anlass, stellten sich mir und vielen Gästen darum Fragen wie: Wo war das traditionelle unterhaltsame Hofprogramm, die vorwiegend musikalische Kleinkunstbühne? Zusammengeschrumpft in einem bunt gemixten einstündigen Programm. Und wo waren die Theater-Akteure? Plötzlich alle erkrankt? Magere eine statt sonst bis zu drei Aufführungen! Ein flüchtiger Besuch von mir in den beiden Kirchen endete im endlosen traurigen Nichts. Kein Chor – was dem Gymnasium überhaupt die §4-Berechtigung einbringt – gab irgendwo ein Ständchen! Oder üben die derzeit nur „The Armed Man“ für dessen zweite Aufführung im Herbst?

Zu Kaffee und Kuchen wollt´ ich wie immer die Schlossfest-Zeitung lesen. Die gab´s – nochmal zur Erinnerung: Es war das 25jährige Schlossfest – überhaupt nicht! Auch keine Festschrift, die sonst aller fünf Jahre erschien. Sollte ein Vierteljahrhundert Gymnasium und insbesondere zurückliegende fünf Jahre dazu etwa keinen Anlass geben oder es gar an Themen fehlen? Ich hätte mich zum Beispiel über einen Bildband über den Um- und Ausbau des Schlosses gefreut. So mit Geschichten am Rande und bisher unveröffentlichten Fotos – vielleicht eins mit mir?!

Nach diesem Dahingeplätscher hoffte ich wenigstens auf ein abschließendes großes Tamtam, also  d e n  finalen Paukenschlag. Bloß wo? Vielleicht im Keller? Denn nach den tollen Höhepunkten des Tages, dem gigantisch erlebten Herzblut für das 25-Jährige, wäre das genau der perfekte Ort gewesen. Der Ort für Leute, die sich zum Lachen (Feiern) sowieso dorthin verziehen! Dann doch – im Saal gaben einige Musik-Abiturienten ihr Bestes. Aber letztendlich wollten alle nur schnell nach Hause.

Ich zumindest war ganz entspannt. Fazit: Wow, was für ein … irgendein Fest! Eher ein bunt gestalteter Besuchertag. Im Ranking der Schlossfest-Top-Ten nimmer platziert.


Euer Planitzer Schlossgespenst

Schlossgespenst
lupe

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