Alles K, oder was? Quito, Queue und Quiche


Jetzt muss ich doch einmal zurückrudern, aber das tue ich herzlich gerne. In der Novemberausgabe hatte ich unter anderem über das Wort Quarantäne und seine Aussprache in Radio und Fernsehen meine Kritik geäußert und die Meinung vertreten, dass die Aussprache als Karantäne recht eigenwillig wäre, weil alle anderen Q-Wörter – Quark, Qual, quer – doch auch anders ausgesprochen werden.

Das ist aber nicht so, wie mich mehrere Leser belehrten, was letztendlich beweist, dass auch ein Klugscheißer bisweilen vollkommen daneben liegen kann. Und weil Klugscheißer meist auch eine gewisse Renitenz an den Tag legen, bin auch ich weder leicht noch schnell zu überzeugen.

Ein Leser allerdings kam mir mit der obersten Instanz aus dem Olymp der deutschen Sprache: Bastian Sick, die Institution für schwierige Fälle der geschriebenen und gesprochenen Deutschen Sprache, Verfasser mehrerer sehr  lesenswerter Bücher mit hohem Informations- und Unterhaltungswert und Autor der Spiegelkolumne »Zwiebelfisch«, in der er erst neulich den Begriff Quarantäne  näher beleuchtete. Hier nur soviel: Quarantäne wird tatsächlich Karantäne ausgesprochen und zwar aus folgendem Grund: Es stammt genau so wie der Stock beim Billard (Queue) und der Speckkuchen aus dem Elsass (Quiche) aus dem Französischen und wird deshalb mit K ausgesprochen. Also Kö und Kich. Wer es ganz genau wissen will, findet die ganze Kolumne von Bastian Sick hier:

 

https://bastiansick.de/kolumnen/wie-spricht-man-quarantaene-aus/


Ich könnte es eh nicht so schön erklären, schon gar nicht so witzig. Es ist sehr angenehm, wenn die Wissensvermittlung erstens durch wirklich kompetente Menschen geschieht und zweitens nicht mit erhobenem Zeigefinger, Polemik oder gar mit politischen Unterstellungen geschieht, womit wir bei unseren Lesern wären.

Grundsätzlich freuen wir uns über jede Zuschrift, weil sie doch zeigt, dass unsere Zeitung gelesen wird und die Leser gern mit uns kommunizieren. Allerdings sind manche Zuschriften schon recht grenzwertig. Wenn beispielsweise ein Leser aus meiner (unberechtigten) Kritik an der Aussprache des Wortes Quarantäne mir eine Nähe zur AfD unterstellt, fällt mir wirklich nichts mehr ein. Außer, dass hierzulande offensichtlich ein ganz anderes Virus grassiert, nämlich das der politischen und gesellschaftlichen Diffamierung. Ob dagegen eine Quarantäne oder Karantäne hilft, darf getrost bezweifelt werden.

Aber auch dieser Zeitgenosse, der aus meinem Irrtum meint, noch politisches Kapital schlagen zu können, kann bei Bastian Sick noch einiges lernen: Es ist durchaus möglich, Menschen zu belehren ohne sie zu bevormunden. Sogar humorvoll.

Ich habe dem Schreiber geantwortet, dass ich durchaus bereit bin, meine Meinung zu ändern, wenn ich zu neuen Erkenntnissen gekommen bin. Danach habe ich die E-Mailkonversation beendet. Es gab aus meiner Sicht nichts mehr zu sagen.

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