Die Geschichte der Planitzer Friedhöfe (1)


Wenn am 25. November, dem Ewigkeitssonntag – oder wie es im Volksmund meist heißt, Totensonntag – das Kirchenjahr zu Ende geht, werden viele Menschen den Friedhof an der Cainsdorfer Straße besuchen, um ihrer Verstorbenen zu gedenken. Dabei werden sicher die wenigsten wissen, dass dieser Friedhof, der mittlerweile zu den schönsten in Deutschland gehört, nicht die erste, sondern bereits die dritte Begräbnisstätte in der Geschichte von Planitz ist.

Planitz ist etwa so alt wie Zwickau und seit hier Menschen siedelten, starben sie auch hier und wurden auch hier begraben. Nach gesicherten historischen Erkenntnissen, befand sich der erste „Gottesacker“ an der jetzigen Cainsdorfer Straße auf dem Grundstück der ehemaligen Apotheke. Die uralte Wahrleichnamskapelle diente – nachdem seit 1582 die zweite Begräbnisstätte an der Schlosskirche als Bestattungsort für die Planitzer Gemeindemitglieder diente – als Bestattungsort für in Kriegszeiten hier verstorbene fremde Soldaten, die man  lieber nicht auf dem eigenen Friedhof bestatten wollte. Die letzte Bestattung auf dem alten Gottesacker fand im Siebenjährigen Krieg statt, als man nach dem Abzug der Truppen 1760 noch eine sterbende Frau nicht zu den Toten der Gemeinde in die geweihte Erde legen wollte. Das Gelände für diesen ersten Friedhof kam übrigens weder von Schloss- noch vom Kirchenareal, sondern aus dem Landbesitz der Niederplanitzer Altgemeinde, der auch weiterhin der Schlossberg gehörte.

 Schon 1582 wurde der zweite Planitzer Friedhof, den wir heute Arnimscher Friedhof nennen, gleichzeitig mit dem Bau der Schlosskapelle St. Niclas (jetzt Schlosskirche) angelegt und am 28. August 1582 wurde hier die erste Bestattung vorgenommen: Ein 12 Tage altes Kind, das an der Pest gestorben war.

Der Friedhof an der Schlosskirche erstreckte sich wahrscheinlich in west-östlicher Richtung vom bis heute erhaltenen Steintorbogen bis an die jetzige Schlossparkstraße. Nach Süden begrenzte die Schlosskirche den Friedhof und nach Norden das „Pfarrgut“. Ursprünglich hatte der Friedhof eine Fläche von 4.000 Quadratmetern, wovon ein Drittel verloren ging. Geht man von einer durchschnittlichen Liegezeit von 20 Jahren aus, könnte jede Grabstelle im Laufe der Zeit 14 mal belegt worden sein. Berichtet ist, dass bei Grabungen auf dem Gelände Gebeine in drei Schichten gefunden wurden. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren um die Schlosskirche herum noch zahlreiche alte Grabsteine zu sehen. Besonders auffällig war das Schieferdeckerbegräbnis, eine stattliche Gruft an der südöstlichen Ecke des Pfarrgartens (Bild li. unten), in der Michael Bleil, gestorben 1650, und sein Sohn Gabriel, gestorben 1706, mit ihren Ehefrauen bestattet waren. Weil es sich um zwei bekannte Schieferdecker gehandelt hatte, war die Legende entstanden, sie wären bei Arbeiten vom Kirchendach gestürzt  und an Ort und Stelle begraben worden. Erhalten geblieben sind auf dem heute Arnimscher Friedhof genannten Gelände die Gräber der Schlossbesitzer. Diese Gräber und Gruften verfielen in den letzten hundert Jahren zusehends und wurden vor wenigen Jahren aufwendig restauriert. Darüber wurde an dieser Stelle schon ausführlich berichtet. Die erste Beisetzung eines Mitglieds der Patronatsfamilie von Arnim war 1812 erfolgt. Carl Christoph von Arnim, der Domherr, war sehr naturverbunden, deshalb bestimmte er den westlichen Teil des Friedhofs zu seiner Begräbnisstätte, während sein Vater, Hans Christoph, 1772 noch im Beustschen Erbbegräbnis in der Schlosskirche seine letzte Ruhe fand. Es ist anzunehmen, dass das Grab des Carl Christoph, von dem es heute keine Spuren mehr gibt, dort zu finden war, wo jetzt die große schwarze Grabplatte des Alexander von Arnim liegt.

Der Gottesacker an der Schlosskirche diente der Kirchgemeinde Planitz knapp 280 Jahre lang als Begräbnisstätte, das heißt für die Verstorbenen aus Ober- und Niederplanitz, Cainsdorf und Neudörfel. Zwar weiß man sehr genau Bescheid über die erste hier vorgenommene Bestattung, aber nichts über die letzte hier stattgefundene Beerdigung.

Der Friedhof an der Schlosskirche gehörte von Anfang an der Kirchgemeinde.  Mit Ausbreitung der Steinkohlenindustrie Mitte des 19. Jh. kam es in Planitz zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung. Innerhalb von 70 Jahren verdreißigfachte sich die Einwohnerzahl. Und man brauchte ab 1857 schon den neuen heutigen Friedhof. Der alte Friedhof an der Schlosskirche wurde aber noch einige Jahre benutzt bis er 1860 endgültig belegt war.


Fortsetzung folgt

Arnimscher Friedhof
Arnimscher Friedhof
Arnimscher Friedhof
lupe

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