Auch wir Planitzer werden 900 Jahre alt


In Gedanken höre ich Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, stöhnen: Schon wieder ein Jubiläum, an das der „planitzer“ erinnert. Aber es ist wirklich so, wir können nicht ins Jahr 2018 hineingehen, ohne an das große Stadtjubiläum Zwickaus zu erinnern. Sind wir Planitzer doch schon fast ein dreiviertel Jahrhundert Zwickauer, wenn auch nicht freiwillig und nicht immer freudig. Ob wir wirklich ein abgehängter Stadtteil sind – was man z.B. hinsichtlich des Oberplanitzer Marktes annehmen könnte  – oder ob wir uns das infolge unserer peripheren Lage nur einbilden, soll nicht näher beleuchtet werden.

Besinnen wir uns auf den Anlass für das große Ereignis. Es ist ein Dokument vom 1. Mai 1118, das von der Weihe einer Marienkirche in Zwickau berichtet. Es ist das älteste Schriftstück, das die Existenz von Zwickau belegt. Es handelt sich um eine Ersterwähnung,  keine Gründungsurkunde. Auch vorher haben Menschen die Muldenniederung besiedelt, etliche Jahrhunderte vorher waren es Sorben, deren Anwesenheit in der heutigen Nordvorstadt archäologisch nachgewiesen wurde. Später kamen deutsche Siedler, nachdem die Mark Meißen gegründet und der Pleißengau besiedelt worden war.

Übrigens ist die Originalurkunde schon seit  fast 500 Jahren verschwunden, zum Glück aber eine Abschrift im Zwickauer Stadtarchiv erhalten. Und es sei darauf verwiesen, dass die im Dokument genannte Marienkirche nicht identisch ist mit der heutigen Marienkirche. Es war eher ein Vorgängerbau der Moritzkirche.

Wer eine Kirche stiftete, musste auch für deren Erhalt sorgen. Deshalb wurden ihr Zolleinnahmen zugesprochen, die von Händlern erhoben wurden, die durch die Zollstation Zwickau kamen, um das unwegsame Erzgebirge mit ihren Waren zu queren.   Die Urkunde von 1118 ist auch deshalb aufschlussreich, weil sie die Grenzen des neuen Pfarrbereiches Zwickau, das sogenannte  Territorium Zwickau, in lateinischer Sprache beschreibt. Das Gebiet reichte ungefähr von Glauchau bis Aue. Man weiß es nicht genau. Zwar sind  die Gewässernamen, wie Mulde, Pleiße oder Mülsenbach unumstritten, aber andere Flurbezeichnungen werden unterschiedlich gedeutet.

Das Jubiläum betreffend, ist unter geschichtlichem Aspekt vor allem zu erwähnen, dass sich die Stadt jetzt mit einer umfangreichen Chronik, die in diesen Wochen erschienen ist, ein beachtliches Geschenk gemacht hat. Um Kulturamtsleiter Dr. Löffler und die Stadtarchivdirektorin Silva Teichert hat sich ein Team hoch engagierter Fachleute geschart und ein beachtliches Ergebnis zustande gebracht. Natürlich wird fast jeder Leser spezielle Wünsche haben. Dem einen ist das Werk zu dick, einem anderen zu dünn und ein dritter hat noch andere Vorstellungen. So geht es mir auch. Ein Beitrag ist mir zu redselig, ein anderer zu flott mit Links geschrieben. Aber das Ganze stimmt und wiegt alle Kriteleien auf. Die biografischen Skizzen von zwei prominenten Planitzern, Joachim von Beust und Gert Fröbe, durfte ich beisteuern, so dass unser Stadtteil nicht gänzlich außen vor bleibt.

Bleibt uns, allen Veranstaltungen, die die 900 Jahre würdigen, ein gutes Gelingen zu wünschen, zur Freude der Zwickauer und zum Nutzen für das Image der Stadt.


Dr. Günter Zorn

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