Die Türmer der Planitzer Lukaskirche


Die Türmer der Kirchen hatten verschiedene Aufgaben. Sie mussten Ausschau nach Bränden und Gefahren halten und sie melden. Dazu diente ein Wächterhorn oder eine Glocke und eine weiße Flagge oder ein weißes Tuch. In der Nacht benutzten die Türmer eine Fackel oder Lampe, die in die Richtung des Brandes zeigte. Weiterhin war es Aufgabe, die Glocken zu schlagen und zu läuten. Das Gebetsläuten in Planitz wurde mit 3 x 3 Glockenschlägen angezeigt. Außerdem betreuten sie die Uhr.

Es gab nur zwei Türmerfamilien.


Familie Heidel (etwa 1876 – 1922, bis zu 8 Personen)

Familie Heidel war die erste Türmerfamilie. Frau Christine Windisch von der Planitzer Bergstraße als Nachfahre kennt noch einen Großteil der auf den Bildern in der Türmerwohnung dargestellten Personen und so manche kleine Episode. Sie erzählt: „Meine Ururgroßeltern sind 1876 mit zwei Söhnen in die Türmerwohnung der neuen Kirche eingezogen. Vier weitere Söhne wurden dann noch geboren. Der letzte namens Martin Heidel, geb. 1884, war mein Urgroßvater. Er spielte gern die Orgel, wenn die Kirche gereinigt wurde. Geschlafen haben die sechs Jungs auf dem Podest vor dem Rundfenster im Treppenhaus auf Stroh. Der Schlafraum war für die gesamte Familie zu klein.“


Familie Bahner (etwa 1922 – 1952)

Der Familie Bahner wurden zwei Mädchen geboren. Eins davon hieß Friedel (geb. 1908), die wiederum einen Sohn namens Günter gebar. Günter lebte bis vor kurzem in Zwickau-

Marienthal und erzählte aus dem Leben seiner Familie und Vorfahren zur Mitglieder-

versammlung des Fördervereins im März 2005. Sein Vater als Türmer besaß Ziegen und Hühner, die er in einer kleinen Scheune neben der Lukaskirche hielt. Jeder der zu Besuch auf den Turm kam, musste einen Eimer mit Wasser, Brennmaterial oder Dingen des täglichen Bedarfes nach oben tragen. Damit sich der Besuch anmelden konnte, gab es oben eine kleine Glocke, die mit einem Zugdraht nach unten verbunden war. Danach wurde ein Kirchenschlüssel nach unten geworfen, denn die Kirche war fast immer zugeschlossen. Zusätzlich konnte man sich auch durch ein dünnes Sprachrohr verständigen. In der

Türmerwohnung wurde auch eine Katze gehalten. Die Toilette befand sich eine Etage tiefer unter der Treppe neben der Turmtür. Die Männer sollen gelegentlich auch einen der zwei Löschwasserbehälter auf dem Kirchenboden als Urinal genutzt haben. Den Inhalt des anderen Behälters konnte man als Brauchwasser, z.B. für Reinigungszwecke verwenden.


Gabriel Püschmann

Türmer Bahner
Türmerfamilie Heidel
lupe

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